kekse für die polithure – von RALF SOTSCHECK



Zum Jahresende eine gute Nachricht: Die Leser der Zeitschrift „New Internationalist“ haben Bono von der irischen Musikcombo U2 zum listigsten Steuerschwindler des Jahres gewählt. Als Preis bekommt er eine Packung Kekse der Marke „Jammy Dodgers“, denn ein „tax dodger“ ist ein Steuerhinterzieher. Ehre wem Ehre gebührt.
Zweiter wurde die Supermarktkette Tesco, die in Luxemburg Steuern spart. Danach folgt der Medienzar Rupert Murdoch, der in Bermuda registriert ist und die Leser seiner Zeitungen verhöhnt: Weil der Staat das Bildungsbudget gekürzt hat, druckt Murdoch in seinen Blättern Coupons ab, die gegen Lehrbücher eingelöst werden können. Auf dem vierten Platz landete die britische Queen, die seit 1992 Steuern zahlt. Aber was sie verdient, weiß keiner, und es geht auch niemanden etwas an, findet sie.
An den irischen Heuchler reicht freilich keiner heran. Sein Getue für globale Gerechtigkeit passt nicht so recht zu seinem Eifer beim Steuersparen. Er hat den Sitz der Musikfirma seiner Band vor zwei Jahren in die Niederlande verlegt, weil er dort kaum Steuern auf Tantiemen zahlen muss. In Irland mussten Künstler bis 2006 gar keine Steuern zahlen. Dann setzte die Regierung als Obergrenze 250.000 Euro fest. Da war die Geldgier bei dem Schleimbeutel größer als die Vaterlandsliebe.
Die Reichen der Welt, inklusive Bono, hinterziehen schätzungsweise 250 Milliarden Dollar im Jahr – weit mehr, als die UN für ihr Programm gegen die Armut bereitstellt. Bono, die peinliche Polithure, fordert, dass die Staaten mehr Steuergelder für das Programm locker machen, und dafür geht er auch gerne mit dem US-Präsidenten George W. Bush essen. „Meine Priorität ist die Hilfe für die Armen und Benachteiligten dieser Welt“, hat Bono einmal gesagt, und deshalb könne er sich nicht auch gegen den Irakkrieg engagieren. Wozu auch? Schließlich ist Bono Geschäftsführer und Mitgründer von Elevation, einer Firma, die mit mörderischen Videospielen ihr Geld macht. Da haben die Armen wenigstens was zum Spielen.
„Ich muss etwas beichten“, sagte das „Arschloch mit Mercedes“ (Bono über Bono) einmal vor Studenten der Universität Pennsylvania. „Ich habe eine Menge Gesetze gebrochen, und bei den anderen, die ich nicht gebrochen habe, dachte ich zumindest drüber nach. Ich erhalte hier einen Ehrendoktor und stehe in der Gunst der Mächtigen. Ich hoffe, das zeigt euch eins: Verbrechen zahlt sich aus.“
Aber Gott habe ihm vergeben, weiß Bono, denn er schöpfe seine Kraft aus seiner Religiosität und seinen Zwiegesprächen mit Gott. Der Unterschied zwischen seiner Kapelle und den Beatles liege darin, dass es letzteren an spiritueller Tiefe fehle, größenwahnte der selbsternannte Messias in einem Interview mit dem Rolling Stone.
Im Internet kursiert eine nette Geschichte über den Klotzkopf, die allerdings erfunden sein soll. Bei einem Konzert in Glasgow habe Bono das Publikum um absolute Ruhe gebeten. Dann begann er, langsam in die Hände zu klatschen. Schließlich sagte er: „Jedes Mal, wenn ich in die Hände klatsche, stirbt in Afrika ein Kind.“ Daraufhin eine Stimme aus dem Publikum: „Dann hör doch endlich damit auf, du elender Bastard.“

 

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